top of page
t100_26_trophaee_rechts.jpg

aib diskursiv 

40

aib zählt zu den TOP-100- Innovatoren 2026.

IHRE STIMME VON DER EXPO 2025

Sehr geehrter Prof. Uwe Rotermund,


vielen Dank für die Teilnahme an unserem Interview auf der Expo Real 2025.


Wir haben Ihre aufgenommenen Aussagen transkribiert und möchten diese nun gerne im Rahmen unserer Unternehmenskommunikation verwenden. Hierzu zählen unsere Social Media Kanäle (Linkedin, Instagram) sowie unser Magazin aib diskursiv (Print und Online)


Zur Abstimmung mit Ihnen erhalten Sie anbei Ihre Aussagen in Textform.


Bitte korrigieren Sie den Text bei Bedarf (Änderungen rot markieren) und senden Sie die Korrekturen zurück an uns über das Formular.


Anbei erhalten Sie ebenfalls Ihr erstelltes Portrait zu Ihrer freien Verfügung. Der Fotogtraf Markus Heinbach erteilt Ihnen hiermit das uneingeschränkte Nutzungsrecht.


diskursiv@aibonline.de

Einwilligung für Foto/Text | Korrektur & Freigabe

Wenn Sie Ihre Korrekturen in Word vorgenommen haben, laden Sie Ihr Dokument hier hoch.

Wenn soll mit Ihrem Beitrag geschehen?
Ihr Beitrag kann unverändert so veröffentlicht werden
Bitte verwenden Sie meinen korrigierten Beitrag
Sonstiges ...
Mouseover:
Download (Pfeil) wählen

Interview: Greta Galus

Fotografie: Markus Heinbach

Vertrauen statt Fragmentierung: Warum Generalisten und klare Entscheidungen nachhaltiges Bauen beschleunigen.


Wir sind ein Beratungsbüro mit klarem Fokus auf den Gebäudebetrieb. Unsere Arbeit beginnt zwar formal oft in der Planungsphase, unser Blick richtet sich aber immer konsequent auf das, was später im Betrieb passiert: Wie läuft das Gebäude wirklich? Ist es beherrschbar? Ist es wirtschaftlich und dauerhaft unterhaltbar?


Genau hier liegt aus unserer Sicht ein zentrales Nachhaltigkeitsthema. Ressourcen sind knapp – personell, finanziell und technisch. Alles, was wir heute verbauen, müssen wir morgen auch betreiben, warten und instandhalten. Wenn wir das in der Planung nicht mitdenken, entsteht hinten raus eine enorme Betriebslast, die zu hohen Kosten, ineffizienten Abläufen und Frust bei den Nutzern führt. Deshalb stellen wir in Projekten immer wieder die kritische Frage: Funktioniert das im Betrieb wirklich – oder haben wir das schlicht vergessen?

Es gibt durchaus Projekte, in denen das gut gelingt. Aber ehrlich gesagt läuft es nach unserer Erfahrung in etwa 60–70 % der Projekte noch nicht richtig rund. Ein Grund dafür sind strukturelle Fehlanreize – unter anderem durch das Honorarsystem. Wenn sich Honorare an anrechenbaren Kosten orientieren, entsteht zwangsläufig der Effekt: Je mehr Technik und je mehr Volumen verbaut wird, desto höher ist das Honorar. Das führt in manchen Bereichen zu Überplanung und Übertechnisierung – obwohl genau das dem nachhaltigen Betrieb widerspricht.


Was aus unserer Sicht viel stärker in den Fokus rücken müsste, sind die tatsächlichen Kosten in der Nutzung. Betriebskosten, Wartungsaufwand, Personalbindung, Ersatzinvestitionen – all das entscheidet darüber, ob ein Gebäude nachhaltig ist oder nicht. Diese Faktoren sollten nicht nur am Ende betrachtet werden, sondern bereits als echte Bemessungsgrundlage in der Planung dienen. Denkbar wären auch Anreizsysteme, die nicht nur Planung, sondern auch den späteren Betrieb honorieren. Erst dann entsteht echte Verantwortung über den gesamten Lebenszyklus.


Ich persönlich bin kein großer Fan starrer Honorarordnungen. Ich glaube grundsätzlich an den freien Markt. Gleichzeitig sehe ich aber ein großes Problem: Gerade im Bereich der Planung werden die Preise oft so stark gedrückt, dass die notwendige Qualität gar nicht mehr erbracht werden kann. Die Schraube wird immer weiter angezogen – mit der Folge, dass Planerinnen und Planer unter enormem Druck stehen und saubere, ganzheitliche Lösungen kaum noch leisten können.


Leider verschärfen manche Marktteilnehmer dieses Problem selbst, indem sie mit extrem niedrigen Preisen in Projekte gehen. Kurzfristig mag das attraktiv erscheinen, langfristig schadet es der gesamten Branche. Wir erleben häufig, dass Bauherren enttäuscht aus solchen Projekten kommen – und diese Enttäuschung wirkt sich dann auf alle aus, auch auf Büros, die sauber und nachhaltig arbeiten wollen.


Nachhaltigkeit im Bau heißt für mich deshalb vor allem: ehrlich planen, betrieblich denken und langfristige Verantwortung übernehmen. Weniger Technik um der Technik willen, mehr Fokus auf Funktion, Wartbarkeit und reale Nutzung. Nur so entstehen Gebäude, die nicht nur auf dem Papier nachhaltig sind, sondern im Alltag wirklich funktionieren.


Ein konkreter Beweis dafür, wie stark ein generalistischer Ansatz Projekte nach vorne bringen kann, ist ein aktueller öffentlicher Auftrag, den ich hier nur anonymisiert schildern kann. Dort erleben wir gerade, dass Projekte tatsächlich schnell vorankommen können – wenn Vertrauen und klare Rollen vorhanden sind. Der Auftraggeber hat das Projekt bis zur Leistungsphase 3 eng begleitet und anschließend vollständig in die Verantwortung eines Generalplaners bzw. Generalunternehmers übergeben. Diese führen das Projekt konsequent bis LPH7 weiter, erst danach steigt die öffentliche Hand wieder intensiv ein, etwa mit Finanzministerium oder weiteren Gremien. Das Ergebnis: deutlich höhere Geschwindigkeit, weniger Reibungsverluste und klare Verantwortlichkeiten.


Für mich zeigt dieses Beispiel sehr deutlich, worum es eigentlich geht: Vertrauen und strategisches Miteinander. Wir sollten aufhören, Planung und Vergabe als reine Beschaffungsakte zu verstehen, bei denen jeder nur seinen eigenen Vorteil sucht. Nachhaltiges und erfolgreiches Bauen funktioniert nur, wenn alle Beteiligten langfristig denken und gemeinsam Verantwortung übernehmen – nicht nach dem Motto „nach mir die Sintflut“.


Ein großes Problem ist dabei die heutige Entscheidungs- und Bürokratiekultur. Entscheidungen werden getroffen, dann nach wenigen Wochen wieder infrage gestellt oder revidiert – oft ausgelöst durch Budgetunsicherheiten oder politische Zwänge. Ich bin klar der Meinung: Wenn wir uns für etwas entscheiden, dann muss diese Entscheidung bewusst, nachvollziehbar und dokumentiert getroffen werden. Ja, das bedeutet Entscheidungspapiere, Nutzeranalysen und klare Festlegungen. Aber genau diese Klarheit schafft Planungssicherheit.


Gerade Budgetfragen sollten ehrlicher adressiert werden. Es wäre oft besser, von Anfang an konservativer zu kalkulieren, ein bewusstes Risikopolster einzuplanen und dann stabil zu bleiben. Späte Änderungen auf einem ohnehin kritischen Pfad schaden allen Beteiligten: Zeit, Kosten, Motivation – alles leidet.


Aus der Praxis gesprochen: Wenn ich junge Kolleginnen und Kollegen einstelle, sage ich ihnen ganz offen: Ihr seid jetzt zwar in der Erwachsenenwelt angekommen, aber glaubt nicht, dass diese immer rational oder logisch funktioniert. Vielleicht sind wir an manchen Stellen noch zu jung oder zu naiv – aber genau darin liegen auch Optimierungspotenziale. Wir müssen Ego-Themen zurückstellen und stärker im Kollektiv denken. Es geht nicht um individuelle Selbstverwirklichung, sondern um das gemeinsame Ziel eines guten Projekts.


Ein weiterer Punkt, der mir wichtig ist: Normen und Richtlinien werden oft verteufelt. Dabei können sie – richtig genutzt – ein enorm hilfreicher Ordnungsrahmen sein. Sie geben Struktur, Sicherheit und Orientierung. Die halbe Miete ist erreicht, wenn ein Team diese Regeln kennt, sinnvoll anwendet.


Am besten funktionieren Projekte dort, wo Aufgaben klar verteilt sind, Kompetenzen respektiert werden und jeder weiß, wann und wen er fragen muss. Ein funktionierendes Miteinander ist keine weiche Kategorie, sondern ein harter Erfolgsfaktor – für nachhaltige, effiziente und zukunftsfähige Bauprojekte.

Neuer aib Standort

Wir schlagen Wurzeln in Nürnberg

Insights von der Expo Real 2024

Stimmen zur Zukunft des Bauens

BIM

Neue Perspektiven für unsere Kunden

Logo_db_k.jpg
Logo_Dörken.png
Logo_MAN.jpg
bottom of page