aib diskursiv
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aib zählt zu den TOP-100- Innovatoren 2026.
IHRE STIMME VON DER EXPO 2025
Sehr geehrte Lea Birnfeld,
vielen Dank für die Teilnahme an unserem Interview auf der Expo Real 2025.
Wir haben Ihre aufgenommenen Aussagen transkribiert und möchten diese nun gerne im Rahmen unserer Unternehmenskommunikation verwenden. Hierzu zählen unsere Social Media Kanäle (Linkedin, Instagram) sowie unser Magazin aib diskursiv (Print und Online)
Zur Abstimmung mit Ihnen erhalten Sie anbei Ihre Aussagen in Textform.
Bitte korrigieren Sie den Text bei Bedarf (Änderungen rot markieren) und senden Sie die Korrekturen zurück an uns über das Formular.
Anbei erhalten Sie ebenfalls Ihr erstelltes Portrait zu Ihrer freien Verfügung. Der Fotogtraf Markus Heinbach erteilt Ihnen hiermit das uneingeschränkte Nutzungsrecht.

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Interview: Greta Galus
Fotografie: Markus Heinbach
Der Blick fürs Ganze als Schlüssel nachhaltiger Immobilien Welche Erfahrungen haben Ihnen gezeigt, warum es wichtig ist, „über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen“?
Bei INBRIGHT arbeiten wir fast ausschließlich an der Transformation von Bestandsimmobilien im Bereich Light Industrial, Logistik und „Last Mile“. Einige unserer Projekte liegen in klassischen Gewerbegebieten, andere recht innerstadtnah. Dort wirken sich Veränderungen auf viele Stakeholder aus: Nutzer, Nachbarn, Kommunen, Eigentümer, Mitinvestoren, Banken. Hier reicht es nicht, aus der eigenen Projekt- oder Unternehmensperspektive zu blicken. Meine wiederkehrende Erfahrung ist, dass, je früher wir die individuellen Sichtweisen und Bedürfnisse der unterschiedlichen Stakeholder erkennen, verstehen und einbeziehen, desto besser gelingen unsere Projekte. Dann entstehen Gebäude und Areale, die sich im Alltag langfristig tragen und wirtschaftlich erfolgreich sind.
Haben Sie ein Projekt erlebt, bei dem der Blick aufs Ganze entscheidend war?
Das erlebe ich bei all unseren Projekten. Gerade auch, weil das Verständnis von Nachhaltigkeit breiter geworden ist. Es geht heute nicht mehr bloß darum, das Richtige zu tun oder ausschließlich um ökologische Nachhaltigkeit, sondern für uns Projektentwickler ganz konkret um Themen wie Finanzierbarkeit, Betriebskosten, Förderfähigkeit, soziale Akzeptanz und langfristige Wertentwicklung. Das geht sich im Ganzen nur dann auf, wenn wir über reine Umweltaspekte hinausdenken und soziale Nachhaltigkeit sowie unternehmerische Verantwortung von Anfang an mit berücksichtigen.
Ein Beispiel dafür ist unser Leuchtturmprojekt LIZ in Ludwigsburg, ein Bestandstransformations-Projekt mit knapp 100.000 Quadratmetern Mietfläche westlich der Innenstadt. Dort war früh klar: Wenn ökologische, soziale und wirtschaftliche Themen nicht zusammengedacht werden, trägt das Projekt nicht. Banken erwarten klare Dekarbonisierungspfade, Mieter achten auf Flexibilität der Flächen, Energieeffizienz und Kosten, Städte auf die Einbindung in das urbane Umfeld, und Eigentümer sowie Investoren auf stabile Cashflows und gute Projekt-Ratings. Erst dieses Zusammenspiel entscheidet darüber, ob Finanzierungen zustande kommen, Akzeptanz vor Ort entsteht und sich Mieter langfristig an einen Standort binden – also darüber, ob ein Objekt wirklich zukunftsfähig ist.
Wo stoßen Sie an Grenzen, wenn Spezialist:innen nur ihr Fachgebiet sehen?
Immer dort, wo Ideen, Lösungen und Wege isoliert im Silo entwickelt werden. Eine gebäudetechnisch brillante Maßnahme kann noch so gut sein – wenn sie im Betriebsalltag eines Gebäudes nicht funktioniert oder von den Mietern nicht angenommen wird, verpufft ihre Wirkung. Deshalb sind unsere Property-, Asset- und Portfolio-Manager so wichtig – sie haben den Panoramablick auf die Objekte und denken ganzheitlich.
Bei INBRIGHT begegnen wir typischen „Dead Ends“, die sich aus unvollständiger Betrachtung, isoliertem Fachdenken und fehlendem Austausch ergeben, mit praxisnahen Austauschformaten und Innovations-Sessions. Hier kommen alle Disziplinen im Haus zusammen, diskutieren Lösungen und testen deren Alltagstauglichkeit. So wird der Blick fürs Ganze automatisch geschult – und die Spezialisten vernetzen sich von selbst besser miteinander.
Wie hilft Ihnen ein generalistischer Ansatz, mit komplexen Vorgaben wie Energieeffizienz, Materialwahl oder Kreislaufwirtschaft umzugehen?
Ein generalistischer Ansatz hilft uns, Wirkungszusammenhänge früh zu erkennen und die jeweils besten Lösungen für einzelne Aspekte wie Energieeffizienz, Materialwahl oder Kreislaufwirtschaft zu finden. Wir fragen uns nicht nur: Ist eine Maßnahme ökologisch sinnvoll? Sondern auch: Wie wirkt sie sich auf die Betriebskosten und den Dekarbonisierungspfad aus? Was bedeutet sie für die Mieter und langfristige wirtschaftliche Performance des Gebäudes? So wird die Wirkung von ESG-Investitionen individuell und konkret erlebbar. Das hilft auch dabei, dass Nachhaltigkeit nicht nur als Kostenfaktor verstanden wird.
Was hat Ihnen in Projekten geholfen, die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Disziplinen zu erleichtern?
Klarheit, Transparenz und eine gewisse Hartnäckigkeit. Alle im Projekt müssen verstehen, worauf wir hinarbeiten – und vor allem, warum und zu welchem Zweck. Deshalb setzen wir stark auf klare Zielbilder und regelmäßige Updates sowie Austauschformate. Man muss viel miteinander sprechen und dann auf Kurs bleiben. Das klingt einfach, macht aber einen riesigen Unterschied, wenn es darum geht, eine hohe Qualität und gute Performance unserer Projekte sowie die Zufriedenheit aller Beteiligten sicherzustellen.
Welche Hindernisse begegnen Ihnen im Alltag, wenn es darum geht, nachhaltige Ideen umzusetzen?
Ganz klassisch sind das Zeitdruck, Budgets und ein zu kurzer Planungshorizont. Nachhaltige Ideen und Maßnahmen brauchen oft einen längeren Anlauf und vor allem einen langen Atem, denn wir planen hier nicht für kurzfristig sichtbare Showeffekte, sondern mit Blick auf langfristige positive Veränderung und Wirkung. Wir arbeiten deshalb viel mit Proof Points und Zahlen, etwa zu Lebenszykluskosten, Energieeinsparungen, CO₂-Reduktion, Minimierung von Stranding Risiken etc.
Ein weiterer Punkt ist die frühe Einbindung der Mieter. Maßnahmen wirken nur dann, wenn sie im Alltag akzeptiert und genutzt werden. Das entscheidet am Ende über den tatsächlich messbaren Nachhaltigkeitseffekt.
Welche Rolle spielt es, ob auch Bauherren bereit sind, das große Ganze mitzudenken, statt nur kurzfristige Ziele zu verfolgen?
Die Haltung der Bauherren ist extrem wichtig. Wer nur kurzfristig denkt, kratzt beim Thema Nachhaltigkeit immer nur an der Oberfläche – und läuft leicht Gefahr, in das Fahrwasser von Greenwashing zu geraten. Immobilien sind in der Regel langfristige Investments, oder sie sollten zumindest langfristig strategisch gedacht werden. Allein daraus ergibt sich schon ein nachhaltiger Ansatz.
Wir erleben immer öfter, dass Stakeholder erkennen: Nachhaltige Gebäude sind nicht nur ökologisch sinnvoll und sozial akzeptiert, sondern auch wirtschaftlich stabiler, besser finanzierbar und langfristig performender. Wer das versteht, geht meist auch die gesamte Nachhaltigkeits-Journey konsequent mit.
Braucht es in Zukunft mehr Generalist:innen, um nachhaltige Gebäude erfolgreich zu planen?
Ja, auf jeden Fall. Nachhaltigkeit bei Gebäuden hat viele Touchpoints – zum Beispiel Energie, Materialwahl, Betriebskosten, Ressourcennutzung, Kreislaufwirtschaft, Nutzerkomfort, soziale Integration, Finanzierung und regulatorische Vorgaben – und vielleicht der wichtigste: die Menschen, die das Gebäude täglich nutzen. Generalisten sind entscheidend, weil sie all diese Felder zusammenbringen, zwischen den Disziplinen vermitteln und so sicherstellen, dass Lösungen praktisch funktionieren und wirtschaftlich tragfähig sind.
Was würden Sie jungen Planer:innen raten, die früh nachhaltig denken wollen?
Zuhören – vor allem den Menschen, die die Gebäude nutzen. Offen bleiben für andere Perspektiven und Sichtweisen als die eigenen. Das eigene Fachwissen vertiefen, aber immer wieder den Blick weiten und Zusammenhänge verstehen.
Und: Teile deine guten Ideen mit anderen! Auch wenn nicht jede davon sofort Abnehmer findet, ist es besser, sie sichtbar zu machen, als sie zurückzuhalten. Nur so entsteht Austausch, werden Perspektiven hinterfragt und gute Lösungen entwickelt. Wichtig finde ich auch, sich einen Arbeitgeber zu suchen, dessen Werte gut mit den eigenen matchen. Und ganz persönlich: Was tun Sie selbst, um die Welt nachhaltiger zu machen? n meiner Arbeit denke ich oft an die Menschen, die täglich in den Gebäuden sind: Wie können wir sie besser befähigen, darin nachhaltig zu agieren? Das ist ein großer Hebel. Zudem arbeite ich digital, nutze nach Möglichkeit nachhaltige Mobilität und binde lokale Akteure aktiv in unsere Projekte ein, um lokale Communities zu stärken. Für mich ist Nachhaltigkeit keine abstrakte Idee, sondern eine Haltung, die sich in meinem täglichen Tun und in meinen Entscheidungen zeigt.




