aib diskursiv
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aib zählt zu den TOP-100- Innovatoren 2026.
IHRE STIMME VON DER EXPO 2025
Sehr geehrter Christian Schneider,
vielen Dank für die Teilnahme an unserem Interview auf der Expo Real 2025.
Wir haben Ihre aufgenommenen Aussagen transkribiert und möchten diese nun gerne im Rahmen unserer Unternehmenskommunikation verwenden. Hierzu zählen unsere Social Media Kanäle (Linkedin, Instagram) sowie unser Magazin aib diskursiv (Print und Online)
Zur Abstimmung mit Ihnen erhalten Sie anbei Ihre Aussagen in Textform.
Bitte korrigieren Sie den Text bei Bedarf (Änderungen rot markieren) und senden Sie die Korrekturen zurück an uns über das Formular.
Anbei erhalten Sie ebenfalls Ihr erstelltes Portrait zu Ihrer freien Verfügung. Der Fotogtraf Markus Heinbach erteilt Ihnen hiermit das uneingeschränkte Nutzungsrecht.

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Interview: Michael Kennerknecht
Fotografie: Markus Heinbach
Für uns ist Nachhaltigkeit der Ursprung unserer gesamten Unternehmensentwicklung.
Ich bin seit 2020 im Vertrieb bei Argillatherm und habe die Entwicklung unseres Systems in den letzten 6 Jahren miterlebt. Die Geschichte der ArgillaTherm beginnt 2010 – mit einer Vision: eine wirklich nachhaltige Heiz- und Kühltechnologie zu entwickeln, die auf Naturmaterialien basiert und damit eine Alternative zu konventionellen, energieintensiven Systemen bietet.
Mit dieser Vision ist Axel Lange, der Erfinder und Geschäftsführer von Argillatherm, 2010 in die Forschung eingestiegen. Das klingt heute einfacher, als es damals war. Es gab keine Blaupause. Das bedeutet: echte Grundlagenforschung, viel Zeit, viel Geld und viele Rückschläge. Aber 2015 konnte er sein erstes marktreifes Produkt präsentieren – eine nachhaltige Klimadecke auf Basis natürlicher Materialien.
Die ersten Projekte, damals nur als Deckenheizung, wurden umgesetzt und gleichzeitig kamen neue Fragen aus dem Markt: Kann das System auch kühlen? Es wurde ihm klar, dass genau das der nächste große Schritt sein würde – aber ein hochkomplexer. Denn Kühlen mit Naturmaterialien ist viel schwieriger als Heizen. Beim Aufheizen der Luft reduziert sich die relative Luftfeuchtigkeit, so dass die Menge und Geschwindigkeit der Feuchteaufnahme nicht unbedingt relevant sind. Beim Kühlen der Raumluft hingegen steigt die relative Luftfeuchtigkeit an, und diese Feuchte muss dem Raum entzogen werden, sonst kann auch nicht gekühlt werden. Schlimmer noch, wird diese Feuchte nicht richtig kontrolliert, entstehen Schäden am Gebäude, Schimmel und ein unbehagliches Raumklima für den Nutzer. Lüftungsanlagen mit Entfeuchtung der Frischluft wären die technische Standardlösung zur Ergänzung einer Klimadecke – aber sie widersprechen dem Grundgedanken eines nachhaltigen Gesamtsystems.
Also musste er die Frage neu stellen: Wie muss eine Klimadecke aus Naturmaterialien beschaffen sein, damit sie so viel Feuchtigkeit regulieren kann, dass nachhaltiges Heizen UND Kühlen ohne zusätzliche mechanische Entfeuchtung möglich wird?
Damit begann die zweite große Phase der Grundlagenforschung. Die erste Generation unserer Platte konnte zwar bereits mehr Feuchtigkeit aufnehmen als konventioneller Lehmputz – doch für echte Kühllast war das noch lange nicht genug, da die Feuchtigkeit in Summe immer noch ein Problem darstellte. Also entwickelte er weiter. Er hat die Feuchtigkeitsaufnahme von anfänglich rund einem halben Liter auf über anderthalb Liter gesteigert – und heute liegt sie bei mehr als 2 Litern pro Quadratmeter. Das ist ein Durchbruch, der ein Kühlen über eine Klimadecke ohne technische Zusatzsysteme überhaupt erst ermöglicht.
Die von uns heute hergestellten HUMID-Module sind 2,5 cm stark; der gesamte Systemaufbau mit Putz und Montageebene liegt bei lediglich 5,5 cm. Im Holzbau, bei einer CLT-Decke, kann die Montageebene häufig entfallen, sofern das Quell- und Schwindverhalten des Holzes im zulässigen Bereich liegt, dann reduziert sich der gesamte Aufbau auf nur 3,3 cm.
Die Technik hinter unserer Lösung ist einfach und wirkungsvoll: Die Rohre liegen direkt an der Unterseite des Systems, was extrem schnelle Reaktionszeiten für Wärme und Kälte schafft. Die Feuchtigkeit wandert durch Farbe und Putz in die HUMID-Module und wird dort temporär gepuffert.
Durch diese Kombination aus Naturmaterialien, Feuchtepufferung, reduzierten Aufbauhöhen und effizienter Energieübertragung haben wir ein System geschaffen, das im Sommer wie im Winter nachhaltig arbeitet, ohne energieintensive Zusatztechnik und ohne das Raumklima künstlich zu belasten.
Für uns ist das die logische Konsequenz aus dem Nachhaltigkeitsanspruch: echte Innovation, echte Forschung, echte Lösungen. Nicht Symptome bekämpfen, sondern die Grundlagen verändern.
Die Frage, ob es Schlüsselmomente gibt, die eine generalistische Sichtweise fördern: Ja, diese gibt es. Besonders im Bereich Heizen und Kühlen zeigt sich ganz deutlich, dass nachhaltige Lösungen nur funktionieren, wenn jemand den Gesamtüberblick behält. Denn hier treffen Architektur und TGA unmittelbar aufeinander. Der Architekt betrachtet natürliche Baustoffe und Gestaltung – aber oft nicht die technischen Implikationen. Die Planer wiederum denken in Normen, Lüftungstechnik und Leistungspflichten.
Das führt zwangsläufig zu Konflikten: Der Architekt möchte einen bestimmten Kundenwunsch umsetzen, der TGA-Planer sagt „wir müssen die Normen einhalten“. Der eine denkt gestalterisch, der andere technisch – aber oft führt niemand diese beiden Welten wirklich zusammen. Genau das braucht es aber: jemanden, der über alle Gewerke hinweg die Übersicht behält, beide Seiten steuert und eine Entscheidung trifft. Nur so entsteht ein nachhaltiges, funktionsfähiges Gesamtsystem.
Mit unserem System – der Natur-Klimadecke – können wir nicht nur heizen und kühlen, das könnten andere Systeme theoretisch auch. Das Besondere ist die parallele Feuchtepufferung. Unsere Module können über 2 Liter Feuchtigkeit pro Quadratmeter aufnehmen. Dadurch entstehen völlig neue Möglichkeiten: Lüftungsanlagen können kleiner dimensioniert oder es kann komplett auf freie Lüftung gesetzt werden, denn Räume werden mit unserem System vor Feuchtigkeit geschützt. Selbst in Bestandsgebäuden ohne Lüftung kann überhaupt erst gekühlt werden, ohne sofort zu überfeuchten.
In Neubauten ist es ähnlich: Wenn ein Kunde sagt „Ich möchte kühlen“, kommt normalerweise automatisch die Forderung nach einer Lüftungsanlage. Viele Bauherren wollen diese Kosten aber vermeiden. Zwischen Kundenwunsch, technischer Umsetzbarkeit und normativen Vorgaben entsteht ein Spannungsfeld, das oft sämtliche Planungen blockiert.
Ein Beispiel: Ein Klassenraum für 30 Schüler auf 70–100 m² – enorme Feuchtelasten. Der Bauherr möchte Kühlen aber gleichzeitig auf die zentrale Lüftungstechnik verzichten. Das funktioniert allerdings nur, wenn wir die entstehende Feuchtigkeit irgendwo puffern können, da sonst die Kühlung im Sommer dauerhaft außer Betrieb ist. Genau das kann unser System.
Grundsätzlich gilt: In Deutschland haben wir ein sehr enges normatives Korsett. Viele Planer halten sich strikt an die Normen, nicht immer aus Überzeugung, sondern auch aus Angst vor Haftung. Rein rechtlich sind Normen nicht gesetzlich verpflichtend, aber wer von ihnen abweicht, macht sich angreifbar. Deshalb werden viele Gebäude exakt nach Norm gebaut – mit viel Technik, hohen Lüftungsraten, großen Kanälen, aufwändigen Systemen. Das macht Projekte teuer und kostet enorme Mengen CO₂. Und am Ende kann sich kaum noch jemand leisten, was geplant wurde.
Wenn wir die Baukosten senken und nachhaltiger werden wollen, müssen wir Alternativen zulassen. Das bedeutet: neue Wege gehen, neue Systeme prüfen, nicht immer wieder dieselben „Schubladenlösungen“ hervorholen. Viele Planer sagen heute noch: „So haben wir es schon immer gemacht.“ Aber genau so werden weder Kosten reduziert noch CO₂ eingespart. Veränderung entsteht nur, wenn jemand von oben die Richtung vorgibt und alle Fachplaner sich daran ausrichten.
Ob wir künftig mehr Generalisten brauchen? Ich glaube ja. Es macht Planungen einfacher, reduziert Fehler und verhindert Schnittstellenchaos. Für uns als Hersteller bedeutet es zudem, dass wir nur mit einer Person kommunizieren müssen, die das gesamte Gebäudekonzept versteht und die Informationen weitergibt. Ob der Generalist in jedem Projekt zwingend notwendig ist, kann ich nicht pauschal sagen. Aber er schafft Klarheit – und die fehlt oft.
Damit Wandel möglich wird, müssen sich Menschen aktiv weiterbilden. Ich sehe seit Jahren ein Problem: Viele in der Branche – mich selbst eingeschlossen – haben Weiterbildung lange vernachlässigt. Man war ausgelastet, Projekte liefen gut, man verdiente ordentlich. Warum etwas verändern? Doch jetzt fällt uns das auf die Füße. Der Markt ist nicht mehr wie vor 20 Jahren. Kundinnen und Kunden erwarten nachhaltige Alternativen, aber viele haben keine im Werkzeugkasten, weil sie sich nie damit beschäftigt haben.
Weiterbildung darf nicht erst dann beginnen, wenn ein akuter Notfall besteht. Sie muss kontinuierlich stattfinden. Nur wenn wir uns permanent mit neuen Technologien, Materialien und Planungsansätzen auseinandersetzen, schaffen wir Schritt für Schritt CO₂-Einsparungen – und echten Fortschritt. Und genau dann braucht es jemanden, der „den Hut aufhat“, die Richtung vorgibt und die richtigen Entscheidungen trifft. Das ist viel einfacher, als wenn sechs oder sieben Beteiligte jeweils eine eigene Meinung haben und niemand das große Ganze steuert.
Wenn ich jungen Menschen etwas mitgeben kann, dann: Bleibt dran. Bleibt neugierig. Bildet euch weiter und nehmt Informationen der Industrie nicht als gegeben hin, sondern hinterfragt diese Infos und bildet euch eure eigene Meinung.
Wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir über den Tellerrand hinausdenken. Wer sich nicht weiterentwickelt, versteht irgendwann die Zusammenhänge nicht mehr. Gerade in einer Branche wie der Energiewirtschaft, in der Wärmepumpen beispielsweise mal hochgelobt, mal verteufelt werden, braucht es ein tiefes Verständnis. Wo funktionieren sie? Wo funktionieren sie nicht? Was müsste man anpassen? Das bleibt oft ungeklärt, weil viele Akteure – nicht zuletzt Lobbygruppen – völlig unterschiedliche Interessen und Sichtweisen mitbringen.
In einem Bauprojekt kommen viele Parteien zusammen: Architekten, Bauherren bzw. Bauherrenvertreter, Bauphysiker, TGA-Planer, Tragwerksplaner. Jeder hat eigene Anforderungen, eigene Prioritäten, eigene Einschränkungen. Und irgendwann kollidieren diese Welten. Dann sagt einer: „Das könnt ihr nicht einbauen, wir brauchen mehr Akustik.“ Also wird die Akustik neu geplant. Dadurch verschieben sich andere Gewerke und verursachen Änderungsrunden, Kosten und Verzögerungen. Das ist der Alltag.
Man könnte vieles einfacher machen, wenn es eine Person gäbe, die die Marschrichtung vorgibt – jemand, der das Gesamtkonzept definiert, der haftet, der Entscheidungen trifft und der nicht durch 25 verschiedene Störfeuer ausgebremst wird.
In unserer eigenen Produktwelt haben wir diese Klarheit getroffen: Wir haben uns bewusst für ein Heiz- und Kühlsystem entschieden, das aus Naturmaterialien besteht. Unsere HUMID-Module sind nachhaltig, chemiefrei und rückbaufähig. Das bedeutet: Wir können das gesamte System am Ende wieder trennen, wiederverwenden oder der Natur zurückführen. Damit verbessern wir bereits heute die Welt ein Stück.
Was bei der Diskussion über Nachhaltigkeit jedoch viel zu kurz kommt, ist die Gesundheit des Menschen. Raumklima, Temperaturwechsel, schlecht gewartete Lüftungsanlagen, Staub, trockene Luft – all das beeinträchtigt unser Wohlbefinden massiv. Viele leiden zunehmend unter diesen Belastungen. Naturbaustoffe können hier einen entscheidenden Unterschied machen: Sie schaffen ein gesundes, ausgewogenes Raumklima und reduzieren technische Belastungen.
Unsere Lösung trägt genau dazu bei: Wir bieten ein natürliches Produkt, das gutes Raumklima schafft, CO₂ reduziert und kreislauffähig ist. Je mehr Kunden dieses System einsetzen, desto nachhaltiger werden Bauprojekte: weniger Energiebedarf, weniger Technik. Und genau hier müssen wir hin: Normen gemeinsam überdenken, anpassen und mutig weiterentwickeln. Nur dann erreichen wir wirklich mehr Nachhaltigkeit.




