Holzmodulbau: Die Technologie ist ausgereift – Zeit für neue Rahmenbedingungen für Entwicklung in Deutschland
Unser Unternehmen ist im Holzmodulbau tätig und spezialisiert auf die serielle, industrielle Fertigung von 3D-Holzmodulen in reiner Holzbauweise. Wir realisieren schlüsselfertige Gebäude für den öffentlichen und halböffentlichen Bereich – darunter Schulen, Kitas, Wohnungsbau, Labore, Krankenhäuser und Bürogebäude. Nachhaltigkeit ist dabei kein Zusatz, sondern ein integraler Bestandteil unseres Geschäftsmodells.
Gerade deshalb sind wir auf der Expo Real präsent: zum einen, um bestehende Kontakte zu pflegen, vor allem aber, um Partner zu finden, die ESG nicht nur fordern, sondern aktiv mit uns weiterentwickeln wollen. Ein zentraler Hebel dafür ist aus unserer Sicht die Digitalisierung, insbesondere die Arbeit mit BIM als Grundlage für Transparenz, Qualitätssicherung und ESG-Nachweisbarkeit über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes.
Der Markt entwickelt sich klar in Richtung Holz. Im Vergleich zum Vorjahr ist das Interesse an Holzmodulbau spürbar gestiegen – sowohl in der Wahrnehmung als auch ganz konkret in den Anfragen. Wir profitieren davon, dass wir uns bereits seit mehreren Jahren intensiv mit dieser Bauweise beschäftigen und entsprechende Referenzen aufbauen konnten.
Ein herausragendes Beispiel ist ein Projekt in Stuttgart, bei dem wir für eine städtische Wohnungsbaugesellschaft mehrere modulare Gebäude für rund 400 Mitarbeitende des Universitätsklinikums realisiert haben. Das Projekt wurde mehrfach ausgezeichnet – unter anderem für Nachhaltigkeit und ESG-Qualität – und zeigt, welches Potenzial im modularen Holzbau steckt.
Aktuell realisieren wir zudem als Generalunternehmer ein Bürogebäude für die Universität Tübingen, bei dem Nachhaltigkeit und Zertifizierung von Beginn an mitgedacht werden. Typische Anforderungen der Bauherren sind dabei begrünte Dächer, Photovoltaik, ressourcenschonende Konstruktionen und hohe energetische Standards.
Besonders stolz sind wir auf ein neu gewonnenes Großprojekt in Frankfurt am Main: den Bau von 160 Wohnungen, verteilt auf mehrere viergeschossige Gebäude mit Tiefgarage und umfassender Landschaftsplanung. Das Projekt wurde im Rahmen einer offiziellen Ausschreibung vergeben und stellt für uns einen wichtigen Meilenstein dar. In enger Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Architekturbüro Raumwerk konnte eine hohe gestalterische und technische Qualität sichergestellt werden. Für uns war es bereits das dritte große Projektfinale in Folge, was zeigt, dass unser Ansatz zunehmend Vertrauen am Markt gewinnt.
Konstruktiv unterscheidet sich unsere Holzmodulbauweise deutlich vom klassischen Massivholz- oder CLT-Bau. Unsere Systeme sind leichter, effizient vorgefertigt und dadurch besonders gut geeignet für serielle Anwendungen, kurze Bauzeiten und reduzierte Belastungen auf Fundamenten und Bestand. Genau diese Eigenschaften machen den Holzmodulbau zu einem entscheidenden Baustein für nachhaltiges, skalierbares Bauen in Deutschland.
Unser Fazit: Nachhaltigkeit im Bauwesen braucht Industrialisierung, Digitalisierung und Partnerschaft auf Augenhöhe. Der Holzmodulbau bietet dafür heute bereits praxiserprobte Lösungen – und wir sind überzeugt, dass sich dadurch in den kommenden Jahren noch deutlich mehr Türen öffnen werden.
Unsere Holzmodulbauweise ist technisch heute deutlich weiter, als es die aktuellen regulatorischen Rahmenbedingungen in Deutschland zulassen. Konstruktiv sind wir in der Lage, Gebäude mit bis zu acht Geschossen zu realisieren – in skandinavischen Ländern ist das längst Praxis. In Deutschland stoßen wir aktuell noch an Grenzen, meist bei vier bis fünf Geschossen, was vor allem auf brandschutzrechtliche Vorgaben zurückzuführen ist. Hier hoffen wir sehr, dass die Politik – insbesondere auf Bundesebene – die bestehenden Richtlinien weiterentwickelt und vereinfacht, um das Potenzial des Holzbaus besser nutzbar zu machen.
Technisch sind wir bereits gut aufgestellt: Unsere 3D-Holzmodule erreichen heute hohe Schall- und Brandschutzwerte (bis zu F120), sodass auch größere und höhere Gebäude möglich wären. Die Module werden je nach Anforderung mit mineralischer Dämmung ausgestattet und erfüllen sämtliche relevanten technischen Standards. Im Vergleich zu klassischen Massivholz- oder CLT-Modulen sind unsere Konstruktionen etwas leichter, was Vorteile bei Logistik, Montage und Fundamentierung bringt. Gleichzeitig können Massivholzmodule größere Spannweiten ohne zusätzliche Verstärkung abbilden, während wir punktuell mit Stahlverstärkungen arbeiten – etwa in Form von Einlagen oder Rahmen.
In der Praxis zeigt sich immer stärker, dass sich der Planungsprozess verändert. Während früher oft erst die Architektur entworfen und anschließend ein Hersteller gesucht wurde, erleben wir zunehmend, dass System, Bauweise und Hersteller frühzeitig festgelegt werden, um Planungssicherheit in Bezug auf Schall-, Brand- und Konstruktionsanforderungen zu schaffen. Das spricht klar für eine integralere Planung und für die frühe Einbindung modularer Holzbausysteme.
Auch Sonderlösungen sind problemlos möglich: Aufzugsschächte aus CLT, sichtbare Holzoberflächen, Glasaufzüge oder integrierte Treppenhäuser lassen sich in unsere Technologie einbinden – aktuell meist bis vier Geschosse. In vielen Fällen ist dabei weniger die Technik der limitierende Faktor, sondern die Kostenfrage. Häufig wird am Ende aus wirtschaftlichen Gründen doch auf klassische Stahlbetonlösungen für Treppenhäuser oder Aufzugsschächte zurückgegriffen, obwohl die gestalterische und qualitative Lösung im Holzbau oft überzeugender wäre.
Unser Eindruck ist jedoch, dass sich das Bewusstsein langsam verändert. Immer mehr Bauherren erkennen, dass Qualität, Nachhaltigkeit und langfristiger Mehrwert entscheidender sind, als rein kurzfristige Kostenoptimierung. Genau hier sehen wir die Stärke des Holzmodulbaus: Er verbindet hohe Vorfertigung, kurze Bauzeiten, geprüfte Qualität und nachhaltige Materialien.
Zusammengefasst stehen wir heute an einem Punkt, an dem die Technologie bereit ist, die Nachfrage wächst und die Projekte immer größer und anspruchsvoller werden. Was jetzt noch fehlt, sind mutigere politische Entscheidungen und klarere, holzbaufreundliche Regelwerke, damit nachhaltiger Holzmodulbau in Deutschland sein volles Potenzial entfalten kann.
Unser Engagement für nachhaltiges Bauen endet nicht bei der technischen Umsetzung, sondern schließt auch die politische und fachliche Weiterentwicklung des Holzbaus mit ein. Deshalb sind wir aktiv in Netzwerken wie der Koalition für Holzbau engagiert. Dort wird intensiv daran gearbeitet, die richtigen Ansprechpartner in Politik und Verwaltung zu erreichen und die Rahmenbedingungen für den Holzbau zu verbessern. Das Thema ist angekommen – auch auf ministerieller Ebene – doch der eigentliche Engpass liegt nach wie vor in der Komplexität der Genehmigungsprozesse und im enormen bürokratischen Aufwand.
Insbesondere der Brandschutz ist dabei ein zentrales Hemmnis. Alle Brandschutzexperten, mit denen wir zusammenarbeiten, bestätigen: Technisch ist fast alles machbar, die Lösungen existieren längst. Was fehlt, sind angepasste, vereinfachte und praxistaugliche Richtlinien. Solange diese nicht weiterentwickelt werden, bleibt der Holzmodulbau in Deutschland unter seinen Möglichkeiten. Bis dahin hilft vor allem eines: Wiederholung und Standardisierung. Je häufiger vergleichbare Projekte umgesetzt werden, desto einfacher, günstiger und sicherer wird der Prozess. Genau hier sehen wir den großen Vorteil modularer Systeme – sie funktionieren wie ein Baukastensystem, das Qualität, Geschwindigkeit und Nachhaltigkeit verbindet.
Auch im urbanen Kontext sehen wir großes Potenzial. Themen wie Nachverdichtung, Baulückenschließung und Aufstockung werden zunehmend nachgefragt. Gerade bei Aufstockungen mit ein oder zwei zusätzlichen Geschossen in Holzmodulbauweise ergeben sich enorme Chancen, da das geringe Gewicht und der hohe Vorfertigungsgrad klare Vorteile bieten. Technisch ist das gut lösbar, wirtschaftlich jedoch oft anspruchsvoller als ein Neubau. Deshalb müssen die Prioritäten klar definiert werden: Nachhaltigkeit, Flächeneffizienz und langfristiger Mehrwert versus reine Kostenbetrachtung.
Zertifizierungssysteme wie DGNB oder QNG begleiten wir bereits in Projekten. Sie erhöhen zwar die Komplexität in frühen Planungsphasen, zahlen sich aber aus, wenn sie konsequent von Anfang an mitgedacht werden. Versäumnisse in der frühen Phase rächen sich später – das gilt für Zertifizierungen ebenso wie für Konstruktion, Brandschutz und Schallschutz.
Ein weiteres zentrales Thema ist die Planungskultur. Der Holzmodulbau verlangt eine andere Herangehensweise als der klassische Stahlbetonbau. Viele Architektinnen und Architekten sind noch stark von konventionellen Bauweisen geprägt, was die Integration von Holzsystemen erschwert. Aus unserer Sicht funktioniert Holzbau am besten, wenn bereits ab Grundstückskauf klar ist, dass modular und in Holz gebaut wird. Dann können Architektur, Konstruktion, Brandschutz, Schallschutz und Produktion von Anfang an zusammen gedacht werden.
Genau hier liegt der Schlüssel: integrale Zusammenarbeit von Beginn an. Statt erst zu entwerfen, dann auszuschreiben und am Ende einen Hersteller zu suchen, braucht es früh festgelegte Systeme, klare Standards und ein gemeinsames Zielbild. Nur so lassen sich nachhaltige, wirtschaftliche und qualitativ hochwertige Holzmodulprojekte effizient realisieren.
Unser Fazit: Die Technologie ist da, die Nachfrage wächst, das politische Bewusstsein steigt. Jetzt braucht es vereinfachte Regeln, mehr Standardisierung und mutige, frühzeitige Zusammenarbeit, damit der Holzmodulbau in Deutschland sein volles nachhaltiges Potenzial entfalten kann.
In der Praxis erleben wir aktuell einen spürbaren Wandel im Planungsprozess. Klassisch läuft es oft noch so ab: Es gibt eine architektonische Anfrage, später eine Ausschreibung und erst danach wird ein Hersteller festgelegt. Im Holzmodulbau funktioniert dieses Vorgehen jedoch nur eingeschränkt. Immer häufiger zeigt sich, dass der Bauherr sich früh für Holzmodulbau entscheidet, die Planung aber noch auf konventionellen Bauweisen basiert. In diesem Fall müssen die Entwürfe nachträglich an unsere Technologie angepasst werden – mit allen Konsequenzen für Raummaße, Wandstärken und Konstruktionsdetails.
Unsere Bauweise bringt spezifische Anforderungen mit sich, etwa doppelte Deckenaufbauten oder stärkere Wandstärken, insbesondere bei ambitionierten Standards wie KfW 40. Entscheidend ist daher frühzeitig zu klären, ob Anpassungen nach außen möglich sind oder ob die Nutzflächen geringfügig reduziert werden dürfen. Wenn bestimmte Parameter – wie Gebäudehöhe, Breite oder äußere Baukanten – eingehalten werden, ist in vielen Fällen keine neue Baugenehmigung erforderlich, was den Prozess deutlich erleichtert.
Wir setzen dabei bewusst auf alternative Erschließungskonzepte, etwa Laubengänge mit außenliegenden Aufzügen, wodurch sich Treppenhäuser und Aufzugsschächte im Gebäudeinneren einsparen lassen. Abstandsflächen spielen dabei eine zentrale Rolle, sind aber in der Regel gut handhabbar. Auch gestalterisch gibt es große Freiheit: Gründächer, Photovoltaik, unterschiedliche Fassadenmaterialien sind problemlos umsetzbar. Bei Fassaden beraten wir intensiv zu langlebigen, wartungsarmen und wirtschaftlichen Lösungen.
Gerade bei Holzfassaden ist die frühe Planung entscheidend. Unbehandeltes Holz kann – richtig konstruiert und mit ausreichender Hinterlüftung – sehr gut funktionieren und entwickelt mit der Zeit eine natürliche silbergraue Patina. Das ist nicht jedermanns Geschmack, aber technisch absolut robust und nachhaltig. Alternativ sind behandelte oder kombinierte Fassadenlösungen möglich, die stärker auf Wartungsarmut ausgelegt sind. Wichtig ist immer, Witterung, Feuchtigkeit und Pflegeaufwand von Anfang an mitzudenken.
Holzmodulbau funktioniert am besten, wenn er von Beginn an mitgedacht wird. Je früher sich Bauherren, Architekten und Hersteller zusammenschließen, desto effizienter lassen sich Planung, Genehmigung, Kosten und Qualität steuern. Frühzeitige Systementscheidungen schaffen Planungssicherheit, vermeiden Reibungsverluste und ermöglichen nachhaltige, wirtschaftliche und architektonisch hochwertige Lösungen. Genau darin sehen wir den Schlüssel für die erfolgreiche Skalierung des Holzmodulbaus.
