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Markus Steppler

Geschäftsführer

Derix Gruppe

Wenn Stadt wieder Vertrauen schafft: Nachhaltigkeit durch Nähe, Kooperation und Mut.


Ich bin Bauingenieur und gestalte ein Unternehmen mit, das Massivholzbau nicht nur produziert, sondern teilweise auch selbst plant und damit baut. Wir verstehen uns als modernes Holzbauunternehmen – mit einem klaren Fokus auf Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft.


Für uns ist Nachhaltigkeit kein Zusatz, sondern ein strategischer Kern. Bereits vor rund fünf Jahren haben wir eine Rücknahmeverpflichtung für unsere Holzbauprodukte eingeführt. Das bedeutet: Wir übernehmen Verantwortung über den gesamten Lebenszyklus unserer Bauteile hinweg. Zusätzlich arbeiten wir mit biogenen Materialien, generieren Carbon Credits und denken Holzbau konsequent zirkulär. Das tun wir nicht nur aus ökologischer Überzeugung, sondern auch aus ökonomischem Antrieb. Wir sind fest davon überzeugt, dass Kreislaufwirtschaft langfristig zu wirtschaftlicherem Bauen führt – weil Bauteile wiederverwendet werden können und ihren Wert behalten.


Der Schlüssel für wirklich nachhaltiges, zirkuläres Bauen liegt aus meiner Sicht darin, Projekte sehr früh gemeinschaftlich zu denken. Interdisziplinäre Zusammenarbeit – idealerweise begleitet durch einen Generalplaner – ist entscheidend. Die klassische Trennung von Planung und Ausführung ist dafür nicht mehr zeitgemäß. Fragen der Logistik, der Fertigung, der Montage, der Demontagefähigkeit und der Wiederverwendung müssen bereits in der frühen Planungsphase berücksichtigt werden. Nur dann lassen sich Gebäude so entwerfen, dass sie später tatsächlich rückgebaut und ihre Bauteile weiterverwendet werden können.


Ein prägendes Beispiel dafür haben wir in den Niederlanden erlebt, wo das sogenannte Bauteam-Modell weit verbreitet ist. Dort arbeiten Planung und Ausführung von Beginn an gemeinsam an einem Projekt. In diesem Kontext wurden wir vor rund acht Jahren bei einem Holzbauprojekt – dem „Circle“-Projekt – gefragt, ob wir uns vorstellen könnten, das Gebäude nach seinem Rückbau wieder zurückzunehmen. Damals war das Thema zirkuläres Bauen noch weit weniger präsent, und wir haben diese Rücknahmeverpflichtung mit einem gewissen Schmunzeln unterschrieben.


Sieben Jahre später kam tatsächlich der Anruf: Das Gebäude sollte zurückgebaut werden. Wir standen kurz da und haben uns gefragt, ob das wirklich passiert – und es ist passiert. Die Bauteile wurden demontiert, am Markt angeboten, und plötzlich gab es zahlreiche Interessenten. Der Bauherr erkannte: Diese Holzbauteile haben einen realen, wirtschaftlichen Wert. Die entscheidende Frage war nicht mehr: „Bauen wir für die Ewigkeit?“, sondern: „Bauen wir so, dass wir es später wieder auseinandernehmen können – und funktioniert das dann auch?“ Dieses Projekt hat eindrucksvoll gezeigt, dass zirkuläres Bauen nicht nur eine Idee ist, sondern in der Praxis funktioniert.


Auf der anderen Seite haben wir auch Projekte erlebt, bei denen genau dieses generalistische, integrale Denken gefehlt hat. Klassisch geplant, ausgeschrieben, ausgeführt – ohne die ausführenden Unternehmen und deren Kompetenzen frühzeitig einzubinden. Erst in der Ausführungsplanung oder Statik kamen wir ins Projekt. Dann mussten Knotenpunkte neu nachgewiesen, Detailstatiken angepasst und konstruktive Lösungen geändert werden. Das hatte negative Auswirkungen auf Kosten, Zeit, Teamdynamik – und letztlich auch auf die Nachhaltigkeit des Projekts.


Diese Erfahrungen bestätigen für mich klar: Nachhaltigkeit entsteht nicht allein durch das richtige Material, sondern durch frühe, integrale Zusammenarbeit. Nur wenn Planung, Ausführung und Kreislaufgedanke von Anfang an zusammengedacht werden, können Gebäude entstehen, die ökologisch sinnvoll, wirtschaftlich tragfähig und wirklich zukunftsfähig sind.


In vielen Projekten erleben wir sehr konkret, welche negativen Folgen es hat, wenn generalistisches Denken fehlt. Kommt die Ausführung zu spät in die Planung, ändern sich plötzlich Trägerdimensionen, es müssen zusätzliche Brandschutzplatten integriert werden, die Auswirkungen auf das gesamte Tragwerk haben. In einem konkreten Projekt hat uns das mindestens ein halbes Jahr Zeit gekostet, weil die komplette Statik neu gedacht werden musste. Das sind genau die Effekte klassischer, fragmentierter Planungsprozesse – und sie sind das Gegenteil von Nachhaltigkeit.


Für uns ist deshalb klar: Generalisten-Denken muss strukturell verankert sein. In unserem Unternehmen setzen wir bewusst auf eine teambasierte, nicht-hierarchische Organisation. Unsere Teams sind heterogen zusammengesetzt: Statiker, Bauzeichner, Projektleiter und Kalkulatoren arbeiten gemeinsam in einem Team. Jedes Team funktioniert wie ein kleines Unternehmen mit eigener Verantwortung. Genau diese Struktur sorgt dafür, dass unterschiedliche Perspektiven früh zusammenkommen und Projekte ganzheitlich gedacht werden.


Die zunehmende Professionalisierung von Nachhaltigkeit sehe ich grundsätzlich positiv. Es ist gut, dass das Thema ernst genommen wird und institutionell verankert ist. Gleichzeitig spüren wir natürlich auch, dass Nachhaltigkeit unter wirtschaftlichem Druck schnell in den Hintergrund rückt. Dennoch wird sie weiterhin von vielen Institutionen vorangetrieben. Entscheidend ist für mich aber nicht, wie viele Expertenrunden es gibt, sondern ob wir Dinge tatsächlich umsetzen. Wirkung entsteht nicht durch Diskussionen, sondern durch gebaute Beispiele.


Ein aktuelles Beispiel dafür ist unser Ansatz, ein Rechenzentrum in Holz zu realisieren. Statt endloser Konzeptstudien und Expertengremien haben wir gesagt: Wir bauen jetzt einfach das erste Modul. Dann schauen wir, welche Fragen real auftreten – und welche vielleicht gar nicht existieren. Dieser pragmatische Ansatz ist stark von den Niederlanden inspiriert: erst machen, dann lernen. Genau so kommt man voran.


Was meinen persönlichen Beitrag betrifft: Ich bin überzeugt, dass wir stolz darauf sein können, den Mut zu haben, Dinge zu tun, die vor uns noch niemand gemacht hat. Ob Rücknahmeverpflichtungen im Holzbau, Carbon Credits oder neue zirkuläre Geschäftsmodelle – wir sind bereit, Pionierarbeit zu leisten. Auch mit unserem eigenen Projekt, dem Derix Campus, gehen wir neue Wege und setzen bewusst auf innovative Lösungen, etwa bei Zirkulären Schrauben oder neuen Holz-Klimadecken. Nicht alles ist bis ins Letzte bewiesen – aber genau darin liegt Fortschritt.


Was mir dabei besonders wichtig ist: Architektinnen, Architekten und Ingenieurinnen und Ingenieure brauchen wieder mehr Freiraum. In Deutschland werden Innovation und Verantwortung oft durch Normen, Vorschriften und Haftungsängste ausgebremst. Ich glaube, dass Verantwortung wieder stärker zu den Planenden zurückkehren muss. Nur dann entsteht der Mut, neue Lösungen zu entwickeln und umzusetzen – und genau diesen Mut brauchen wir für eine nachhaltige Zukunft im Bauwesen.

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