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Mario Reisacher

Geschäftsführer Holzsystembau

Geiger

Nachhaltiges Bauen gelingt nur, wenn wir den gesamten Prozess gemeinsam denken – von der ersten Idee über die Planung bis zur Ausführung.


Genau hier setzt unser Verständnis bei Geiger an: Wir vereinen eine Vielzahl von Gewerken und Kompetenzen unter einem Dach. Die Geiger Gruppe ist seit über 100 Jahren inhabergeführt, beschäftigt rund 4.000 Mitarbeitende und deckt nahezu alle Bereiche ab, die im Bau relevant sind. Dazu zählen etwa Projektentwicklung und Schlüsselfertigbau, Hoch- und Tiefbau, Abbruch und Rückbauleistungen, Umweltsanierung sowie die Gewinnung, Aufbereitung und das Recycling von Baustoffen. Aber auch der moderne Holzsystembau. 


Besonders da zeigt sich, wie zentral eine integrierte Herangehensweise ist. Im Werk unserer Tochterfirma müllerblaustein HolzBauWerke in Blaustein bei Ulm bilden wir die gesamte Bandbreite des Holzbaus ab. Dazu gehören der klassische Holzelementbau, 3D‑Raumzellen und Holzmodule mit sehr hohem Vorfertigungsgrad sowie Holzhybridbauweisen. Aber wir realisieren auch Sonderlösungen und großspannende Tragwerke wie Dreifachturnhallen. Kurz gesagt: Alles, was im Holzbau möglich ist, setzen wir dort um. In unserem Werk in Wangen im Allgäu stellen wir ebenfalls hoch vorgefertigte Raumzellen individuell und schnell her. Diese starke Fertigungstiefe und die Kompetenz an unseren Standorten von Geiger Holzsystembau erlaubt es uns, nachhaltig, präzise und wirtschaftlich zu bauen.


Wenn man viele Jahre in unterschiedlichen Bereichen des Holzbaus tätig war, erkennt man schnell, dass es keinen einzelnen „Schlüsselmoment“ gibt, sondern viele kleine. Immer dann, wenn Planungsdisziplinen isoliert arbeiten, entstehen unnötige Schleifen, Konflikte und Zeitverluste. Das macht Projekte teuer und verhindert nachhaltige Lösungen. Genau diese Erfahrungen zeigen, wie wichtig es ist, alle Gewerke möglichst früh zusammenzubringen und als gemeinsames Team zu denken.


Ein nachhaltiger Bauprozess braucht jemanden, der den Überblick hat: jemanden, der alle Disziplinen koordiniert, Entscheidungen früh herbeiführt und gemeinsam mit den Partnern die optimale Lösung entwickelt. Besonders im Holzbau ist es entscheidend, früh Klarheit zu schaffen – über die Planung, Ausführungsart, Materialien, Bauweisen und Ziele. Wer erst spät auf Holz umschwenkt, stellt oft fest, dass die ursprüngliche Planung das nicht mehr hergibt. Frühzeitiges, integriertes Planen ist deshalb ein Schlüssel zu echter Nachhaltigkeit, weil unnötige Energie- und Reibungsverluste der teilnehmenden Partner ausbleiben.


Wir stehen heute vor großen Chancen: Modularisierung, Kreislaufwirtschaft, ressourcenschonende Bauweisen und digitale Vorfertigung eröffnen enorme Potenziale. Doch diese Potenziale lassen sich nur heben, wenn wir gemeinsam handeln – interdisziplinär, transparent und mit der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.


Nachhaltiges Bauen bedeutet für uns bei Geiger, den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerkes im Blick zu haben, Ressourcen intelligent einzusetzen und Projekte effizient und qualitätsgesichert umzusetzen. Genau dafür steht die Geiger Gruppe – mit ihrer Vielfalt, ihrer Fertigungstiefe und dem Anspruch, das Bauen konsequent als Kreislauf zu denken. 


Ein großes Hemmnis für nachhaltiges und effizientes Bauen ist, dass viele Planungsdisziplinen immer noch getrennt voneinander arbeiten. Wenn jede Fachrichtung für sich plant, entstehen automatisch die bekannten Planungsschleifen, Abstimmungsprobleme und Reibereien – genau die Themen, die Bauprojekte langsam und teuer machen. Diese Erfahrungen sind für mich die eigentlichen „Schlüsselmomente“. Sie zeigen deutlich, wie wichtig es ist, alle Disziplinen möglichst früh zu vereinen. Der Ansatz existiert längst in den Köpfen, in der tatsächlichen Umsetzung ist man aber noch nicht da, wo man sein könnte. Dabei sind die notwendigen Kompetenzen grundsätzlich vorhanden: Mit der eins Plan GmbH verfügt die Geiger Gruppe beispielsweise über eine Generalplanungskompetenz im eigenen Netzwerk. 


Die Herausforderung liegt daher weniger im Können als vielmehr am Menschen – und an den Strukturen. Gerade im öffentlichen Bau, zum Beispiel im Modulbau, bräuchte es andere Ausschreibungsmodelle. Es müsste mehr in die Richtung „Planen und Bauen“ ausgeschrieben werden, idealerweise mit funktionalen Leistungsbeschreibungen. Dann könnten früh jene Unternehmen ins Boot geholt werden, die wirklich ganzheitlich denken, die Holzbauerfahrung haben. Diese Vergabepraxis findet aber bisher nur wenig statt – viele Ausschreibende konzentrieren sich stark auf ihre eigenen Disziplinen und Stärken. Dennoch sehe ich einen klaren Trend: Die Bereiche rücken langsam, aber spürbar näher zusammen.


Dazu passt auch, dass man im Holzbau schon heute von einer „Leistungsphase Null“ spricht. Hier ist es essenziell, extrem früh grundlegende Entscheidungen zu treffen. Viele Projekte werden zunächst in Betonbauweise geplant, und erst spät will man dann doch in Holz bauen. Dann stellt man fest, dass die Struktur nicht mehr passt. Gerade im Holzbau macht frühe Interdisziplinarität den entscheidenden Unterschied – und zwar nicht nur für die Planung, sondern auch für die Bauherrschaft, die oft nicht abschätzen kann, welche Entscheidung welche Konsequenzen hat. Wir müssen sie daher aktiv an die Hand nehmen und gemeinsam die Varianten durchgehen.


Nur so können wir von Beginn an sagen: „Wir bauen in Holz“ und auch konsequent holzbaugerecht planen. Das setzt aber voraus, dass man bereit ist, sich früh mit Themen wie holzbaugerechter Planung auseinanderzusetzen.


Beim Brandschutz erlebe ich, dass wir in Deutschland oft zu viel Angst haben. Unsere Regelwerke sind sehr restriktiv, es gibt zu viele Interpretationsspielräume. In der Schweiz wird das deutlich pragmatischer gehandhabt: Dort entscheidet das Ingenieurbüro über die brandschutztechnische Plausibilität – und es gilt. Bei uns in Deutschland erleben wir immer wieder, dass jemand sagt: „Ich sehe das anders“, und schon beginnt die nächste Schleife. In unseren Gebäudeklassen-3-Projekten ist Brandschutz unkritisch; anspruchsvoller wird es in Klasse 4 und 5, wie unsere Kolleginnen und Kollegen an unseren Holzsystembaustandorten Wangen und Blaustein regelmäßig erleben. Trotzdem: Brandschutz ist lösbar – das Problem ist unser deutscher Umgang damit, nicht das Material Holz. Dass wir uns teilweise mit Formalien blockieren, ist fast schon katastrophal. 


Wichtig ist mir auch, was wir der jungen Generation mitgeben. Sie soll kritisch denken, über den Tellerrand schauen und Nachhaltigkeit nicht nur als technische Disziplin verstehen. Die jungen Kolleginnen und Kollegen bei uns bringen viel davon bereits mit – und das ist großartig. Vielleicht bin ich da „vom alten Schlag“, aber ich weiß genau, was ich mir wünsche: Engagement. Junge Menschen sollen sich mit den Themen beschäftigen, die für Unternehmen, Markt und Kundschaft relevant sind und sich voll einbringen. Dann entsteht Nachhaltigkeit aus der Innovationskraft, dem Erfolg des Holzbaus und dem wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen, nicht aus einer Ideologie. 


Wenn sie das tun, entsteht Interdisziplinarität fast automatisch. Dann arbeiten sie gemeinsam an Lösungen, bringen Schnittstellen sauber zusammen und reiben sich auch mal, wo es notwendig ist – all das gehört dazu. Meine Erwartung ist, dass sie für das brennen, was sie tun. Entscheidend ist hier auch die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Im Holzbau liegt ein riesiger Markt vor uns – den müssen wir gestalten. Ich versuche, unsere jungen Leute für Innovation zu begeistern, neue Wege zu denken und mutig voranzugehen. Gleichzeitig betone ich immer wieder einen Punkt, der heute oft unterschätzt wird: die Wirtschaftlichkeit. Nachhaltigkeit funktioniert nur, wenn sie bezahlbar ist. Wenn wir Lösungen entwickeln, die niemand mehr finanzieren kann, hilft das niemandem weiter.


Deshalb sprechen wir offen über alles, was gut läuft, was nicht passt und wo jemand sich stärker einbringen muss. Ich möchte eine Kultur, in der man das sagen darf – in beide Richtungen. Nur dann können wir nachhaltiges Bauen wirklich voranbringen.

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