
Wohnen und Gewerbe in Mülheim-Saarn
Volksbank Rhein-Ruhr

Als südlichster Stadtteil von Mülheim an der Ruhr verbindet Saarn eine städtische Infrastruktur mit durchgrünten Wohnlagen. Beim Beitrag zum Wettbewerb, den die Volksbank Rhein-Ruhr für eine dortige Wohn- und Gewerbebebauung ausgelobt hat, standen zwei wesentliche Aspekte im Vordergrund: Zum einen die Adressbildung eines neuen städtebaulichen Ankerpunktes an der Straßburger Allee und zum anderen die Herstellung hochwertiger Wohn- und Gemeinschaftsräume im inneren Bereich des Grundstücks. Das städtebauliche Konzept für den Standort sieht daher ein Ensemble aus vier Einzelgebäuden vor, das sich ordnend und vermittelnd in die Vielgestaltigkeit des städtebaulichen Umfeldes einbringt, ohne diese „harmonisieren“ zu wollen.
Der Entwurf gliedert die Gruppe der Wohngebäude um einen „Dorfanger“ im Zentrum des Grundstücks. Die windmühlenartige Anordnung der Gebäude sorgt in der hohen baulichen Dichte für eine sehr gute Belichtung und Belüftung der Wohnungen. Den Auftakt des Ensembles bildet ein stadtraumprägender, abgestaffelter fünfgeschossiger Kopfbau mit begrünten Flachdächern. Dessen Höhe bezieht sich auf den Hochpunkt einer benachbarten Siedlung aus den 1920er-Jahren und schafft mit seiner moderaten Fernwirkung eine angemessene Adressbildung – insbesondere auch für die straßenseitig vorgesehene Niederlassung der Volksbank Rhein-Ruhr.
Als überwiegende Wohnform sind 3- bis 4-Zimmerwohnungen geplant sowie kompakte 2-Zimmerwohnungen, die mit Mustergrundrissen getestet wurden. Ein besonderes Augenmerk liegt auf den Fassaden der Wohngebäude, die zum zentralen Außenraum orientiert sind. Diese sind mit einem durchgehenden „Balkon-Vorbau“ in Stahlbauweise ausgestattet. Für jede Wohnung wird damit ein großzügiger, privater Freiraum geschaffen. Neben der Wohnqualität fördert dieses Element die sozialen Beziehungen der Bewohner und Bewohnerinnen. Rückzug und Teilhabe werden so gleichermaßen ermöglicht.

CHRISTOF NELLEHSEN
Für ein gestalterisches Gesamtbild sind die Baukörper mit einer einheitlichen Farbgebung der Klinkerfassaden im rotbraunen Farbspektrum geplant. Die Klinkerfassaden vermitteln den Eindruck von Wertigkeit und Beständigkeit und sind gleichzeitig wartungsarm. Mit diesem Fassadenmaterial entsteht darüber hinaus eine Verbindung zum bauhistorischen Kontext des Ruhrgebietes. Es wird eine massive Bauweise vorgeschlagen, bei der der Anteil an Stahlbetonbauteilen möglichst gering ist, um den Zementverbrauch zu minimieren. Mit der Kombination unterschiedlicher Baumaterialien wird einerseits Speichermasse und ein gutes Raumklima generiert, aber auch die bauphysikalisch notwendige Schallentkopplung der Wohnungen gewährleistet.
Der zentrale Außenraum ist als großer Gemeinschaftsplatz konzipiert, der von Pflanzinseln mit umlaufenden Sitzbänken gegliedert wird. Über einen großzügigen Deckenausschnitt gibt es hier außerdem einen direkten Zugang in die natürlich belüftete Tiefgarage. Der Deckenausschnitt soll auch der Pflanzung eines Baumes auf der Garagenebene dienen. Die Gebäudegruppe wird zudem von einem „grünen Gürtel“ aus Mietergärten der Erdgeschosswohnungen und gemeinschaftlich genutzten Flächen für die Anwohner umfasst. Aufgrund der Anordnung der Gebäude entstehen in den Nischen des Grundstücks drei „Pocket-Plätze“. Vorgeschlagen werden hier der Spielplatz, ein Nutz- und Kräutergarten sowie ein Grillplatz für nachbarschaftliche Aktivitäten wie Geburtstage, Grillabende und gemeinschaftliche Feste.

Auftraggeber
Volksbank Rhein-Ruhr
Standort
Mülheim an der Ruhr
Team aib
Christof Nellehsen
Luiz Seitz
(mit Dratz Architekten, Oberhausen)
Ben Dratz, Daniel Dratz, Cecile Krahnke
Leistungen aib
Wettbewerbsentwurf
Ansprechpartner
Christof Nellehsen
Dipl.-Ing. Architekt BDA und Stadtplaner SRL
Telefon +49 (0) 203 9404-0










