In diesem Jahr übergab Pieter F. den Haan als langjähriger Geschäftsführer bei aib den Staffelstab an Nachfolger Jan Abraham. Mit seiner Expertise wird er weiterhin für das Unternehmen tätig sein. Wir besuchten ihn zuhause nahe Venlo in den Niederlanden.
Herr den Haan, seit 20 Jahren wächst Ihr Team kontinuierlich. Wie werden Talente auf aib aufmerksam?
Ganz klassisch arbeiten wir mit externen Firmen zusammen, die gezielt für uns suchen. Zusätzlich setzen wir auf Empfehlungen aus dem eigenen Netzwerk: Mitarbeiter, Bekannte oder Freunde bringen immer wieder Bewerber ins Spiel. Das funktioniert sehr gut – einige Kolleginnen und Kollegen sind auf diesem Weg zu uns gekommen. Drittens sind wir natürlich selbst aktiv über unsere Webseite. Dort halten wir kontinuierlich aktuelle Stellenangebote sichtbar.
Sie nehmen also laufend Bewerbungen entgegen?
Ja, genau. Unser Prinzip ist, dass wir alle Bewerbungen prüfen, auch wenn sie nicht auf eine ausgeschriebene Stelle passen. Lieber sehen wir uns zu viele Profile an, als dass wir Talente übersehen. Das ist entscheidend. So ist es uns in den vergangenen Jahren gelungen, auch hier wirklich starke Leute zu gewinnen.
Das scheint eine sehr weitsichtige Herangehensweise zu sein.
Ja, das stimmt. Auf den beschriebenen Wegen versuchen wir so ein hoch motiviertes Team mit einer sehr weit blickenden Perspektive aufzubauen. Wir haben eine geringe Fluktuation und eine sehr hohe Arbeitnehmertreue. So können wir unser Team langfristig, verlässlich und breit aufstellen. Unser Anspruch, der bestmögliche Arbeitgeber zu sein, muss sich natürlich später auch im Alltag unter Beweis stellen lassen – durch flexible Arbeitszeiten, kontinuierliche Fortbildung, Zeitausgleich, Homeoffice, Möglichkeit zur Care-Arbeit, Studienreisen, Beteiligung und vor allem durch einen offenen Umgang miteinander. Zuhören ist dabei zentral. Es geht darum, die Bedürfnisse jedes einzelnen ernst zu nehmen und auch individuelle Lebensumstände zu berücksichtigen. Auf diese Weise vereinen wir mittlerweile ein integrales Team von Architekten, Ingenieuren, TGA-Planern,
Projektmanagern und Betriebswirte unter einem Dach.
Als Ansprechpartner für Bewerber, mit welcher Haltung geht man in ein Gespräch?
Ich mag Menschen. Mir geht es vor allem darum, Menschen offen und ehrlich zu begegnen. Nur so können Potenziale erkannt und vertrauensvoll in die richtigen Bahnen geleitet werden. Vertrauen ist die Grundlage, damit jemand überhaupt sagt: „Ich komme zu euch.“ Man darf nicht vergessen: Ein Jobwechsel gehört zu den größten Stressfaktoren im Leben – neben Tod und Krankheit. Damit sollte man sehr verantwortlich und sensibel umgehen.
Sie haben solche beruflichen Wechsel auch selbst erfahren und haben lange Zeit im Ausland gearbeitet. Welche Eindrücke haben Sie von dort mitgenommen?
In den Vereinigten Staaten, wo ich fünf Jahre wohnte und studierte, habe ich eine enorm motivierende Unterstützung der Professoren erfahren. Dieses Vertrauen hat mich nachhaltig geprägt und bestärkt mich bis heute darin, auch andere auf ihrem beruflichen und persönlichen Weg zu fördern. Nach dem Aufenthalt in den USA habe ich sieben Jahre in der Schweiz gelebt und gearbeitet. Mein erster Chef war ein sehr erfolgreicher Unternehmer, ein „Spinner“ im positiven Sinn, der mich enorm gefordert und gefördert hat. Von ihm habe ich gelernt, was es bedeutet, hohe Maßstäbe zu setzen, aber auch Grenzen zu ziehen. Die Erkenntnis „Ich tue alles für dich, aber nicht mehr als das“ war damals eine wichtige Erfahrung – ein frühes Verständnis für Balance zwischen Leistung und Selbstachtung.
Und wie war Ihre Erfahrung in Deutschland?
In Deutschland habe ich zehn Jahre bei der agiplan gearbeitet, als Projektleiter. Da habe ich die deutsche Arbeitsweise kennengelernt: sehr strukturiert, sehr gründlich, mit einem klaren Regelwerk. Für mich als Niederländer war das anfangs ungewohnt, fast streng, aber gleichzeitig sehr lehrreich. Ich musste mich hineinarbeiten und habe verstanden, wie wertvoll diese Präzision ist – sie hat meinen eigenen Arbeitsstil nachhaltig beeinflusst. Durch die integrale Planung anspruchsvoller Großprojekte konnte ich früh ein umfassendes Verständnis für Produktions- und
Logistikabläufe entwickeln.

Ohne Mut geht es nicht. Ich erinnere mich: Als ich nach Malaysia gehen wollte, sagte mein Vater nur: „Mach es, geh vorwärts – so ist das Leben.“
Sie waren damals auch eine längere Zeit in Asien. Was hat Sie dort geprägt?
Ja, ich war vier Jahre in Malaysia für ein großes Projekt an dem internationalen Flughafen. Das war eine ganz andere Welt – kulturell, organisatorisch, menschlich. Man lernt dort, Geduld zu haben, Unterschiede zu respektieren und andere Kommunikationswege zu akzeptieren. In Europa sind wir sehr direkt, in Asien läuft vieles indirekter, mit mehr Zwischentönen. Das hat mir enorm geholfen, meine Menschenkenntnis zu vertiefen.
Das war sicherlich eine große Herausforderung für Sie?
Ja, sehr. Es war für meine Frau und die beiden Kinder auch nicht selbstverständlich mal eben den Kontinent zu wechseln. Auch wenn es nicht immer einfach war, es war spannend und lehrreich. Einige Zeit später habe ich mich dann gefragt, ob ich so ein Abenteuer noch einmal machen möchte. Ja! Aber ich hatte kleine Kinder, ein Haus gebaut – da war klar: Das Leben bekommt eine andere Richtung. Und ehrlich gesagt, das war auch gut so. Internationale Umzüge bedeuten, dass sich dein ganzes Leben ändert, Kontakt zu Familie und Freunde, Strukturen, Sprachen etc.
Man spürt bei Ihnen eine grundsätzliche Bereitschaft, offen und interessiert zu sein. Ist diese Haltung auch Teil der Unternehmenskultur von aib?
Absolut. Das ist ein Prinzip bei uns: Offenheit gegenüber Menschen. Egal, ob Bewerber, Kollegen oder Kunden – wer hereinkommt, wird willkommen geheißen. Das ist nicht gespielt, sondern echt. Gerade auf diese Kultur bin ich sehr stolz. Wir haben hier keine übergroßen Egos. Jeder im Team hat hohe Fähigkeiten und wir definieren uns nicht über Hierarchie, sondern über Kompetenz. Das schafft ein Umfeld, in dem sich Menschen frei entfalten und mutig Projekte angehen können.
Ihre Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, gilt sicher auch für die Bewerberauswahl?
Ja, das ist ein wichtiger Aspekt. Am Anfang einer Karriere ist die Entscheidung, wer dich auswählt und dir die Chance gibt, von enormer Bedeutung. Oft können junge Leute das gar nicht selbst einschätzen. Deshalb braucht es jemanden, der diese Tragweite versteht und bewusst entscheidet: „Du passt hier rein, du bekommst die Chance.“ Das prägt den ganzen weiteren Weg. Ich sage oft in Bewerbungsgesprächen: Ich selbst freue mich fast jeden Tag, hierherzukommen. Es ist ein Privileg, in diesem Büro zu arbeiten, mit diesen Menschen um mich herum. Wenn man das spürt, dann weiß man, dass man am richtigen Ort ist.


Wenn Sie diese Haltung in einem Begriff zusammenfassen müssten – was macht Arbeit und Führung aus?
Auch hier offen zu sein – mit Vertrauen. Mit dem umzugehen, was kommt – auch wenn man es nicht kennt. Das ist eine starke Position: egal, was passiert, man kann es irgendwie handhaben. Diese Haltung sorgt auch dafür, dass Unebenheiten nicht so schwer ins Gewicht fallen. Meine Aufgabe sehe ich auch darin, der nachfolgenden Generation zu sagen: Es geht weiter. Talente müssen erkannt und gefördert werden. Manchmal reicht ein Satz wie „Du bist ein Talent – ich helfe dir“. Das kann Menschen beflügeln. Natürlich gibt es viele Signale, aber entscheidend ist, dass man sie wahrnimmt und auch ausspricht.
Also auch ein Stück Verantwortung für Nachfolge?
Ja, ich möchte sicher sein, dass die nächste Generation das Ruder übernehmen kann – im finanziellen Sinn, in Verantwortung und Haltung. Und mit einer transparenten Kommunikation darüber kann jeder die Rolle finden, die wirklich zu ihm passt. So entstehen Sicherheit, Klarheit und Entwicklung. Im März 2026 habe ich meinen Staffelstab an Jan Abraham als mir nachfolgenden Geschäftsführer übergeben. Zudem hat sich im April dieses Jahres der Gesellschafterkreis um fünf neue Mitglieder erweitert. Auch hier expandieren wir. Ich bleibe natürlich weiterhin planend und beratend aktiv dabei.
Vielen Dank für das Gespräch, Herr den Haan.
Danke Ihnen – es hat mir Freude gemacht.
