


Romina Orth-Mainka
Master of Arts Innenarchitektur
Du bist jetzt fast 10 Jahre dabei und hast an vielen aib-Projekten mitgewirkt. Kannst Du einige nennen?
Gerne, für die Deutsche Bahn habe ich mich sehr intensiv zum Thema New Work einbringen können. Für Siemens habe ich meine Kreativität für das globale Besucherzentrum „The Impulse“ eingesetzt und gerade habe ich unser Bürokonzept hier in Duisburg modernisiert und neue Raumangebote geschaffen, die helfen fexibel und bedürfnisorientiert zu arbeiten.
Architektonisch wurde das globale Besucherzentrum „The Impulse“ von aib als Generalplaner umgesetzt und ist Innen wie von Aussen ein echtes Meisterstück. Wie entsteht so etwas?
Mit einem tollen Team und einem innovativen Kunden. Alle waren sofort per Du, es war eine entspannte, lösungsorientierte Atmosphäre. Wir waren sehr konstruktiv in Organisation, Planung und Abstimmung.
Du hast in diesem Projekt an einem besonderen gestalterischen Konzept gearbeitet – kannst du davon erzählen?
Ja, das war wirklich spannend. Wir haben dieses große Atrium entworfen und unsere erste innenarchitektonische Idee war: „Sitzen am Fenster mit Blick ins Atrium.“ Daraus hat sich das Konzept der „Holzschleife“ entwickelt. Es ging um eine Art gestalterische Umwicklung – eine hölzerne Form, die das Atrium begrenzt und die sich über mehrere Etagen durch den Raum zieht. Gleichzeitig übernimmt sie verschiedene Funktionen, etwa als Geländer oder als agiler Arbeitsplatz. Optisch fliesst die Schleife aus dem Holzboden, dem „Holzsee“ im Erdgeschoss hoch in die Etagen.
Klingt sehr integrativ.
Stimmt, es war eine gelungene Verschmelzung von Architektur und Innenarchitektur.
Wie gestaltest du real im Raum? Wie wird aus der Idee etwas Greifbares?
Gute Frage… Gestaltung beginnt im Kopf, aber real wird sie erst durch das konkrete Zusammenstellen – Farb- und Materialkonzepte, Stoffe, Oberflächen. Allein das legt schon eine Atmosphäre fest. Und dann geht’s natürlich an die Auswahl der Möbel. Meistens gibt es gewisse Rahmenverträge mit Herstellern, an die man gebunden ist – aber manchmal darf man auch ganz frei wählen. In unserem Fall war das oft ein Mix: Wir konnten auf bestehende Verträge zurückgreifen, aber auch eigene Vorschläge einbringen.
Und wie entsteht daraus dann das Gesamtkonzept?
Wir hatten natürlich Vorgaben – zum Beispiel bestimmte CI-Farben des Kunden. Gleichzeitig versuchen wir, eine Schnittstelle zu schaffen: zwischen dem, was vorgegeben ist, und dem, was das Gebäude individuell braucht. Dann probieren wir aus – mit Visualisierungen, Renderings, Photoshop-Collagen. Wir nähren uns somit schrittweise an. Am Ende steht idealerweise eine sogenannte „Bemusterungsrunde“, bei der wir echte Möbel mit echten Stoffen und Materialien vor uns haben.
Wie wichtig ist für Dich Feedback am Ende eines Projektes oder nach einiger Zeit im laufenden Betrieb?
Ja, Feedback ist sehr hilfreich, um für zukünftige Projekte wertvolle Erkenntnisse zu gewinnen und sich kontinuierlich verbessern zu können. Wir erhalten zum Beispiel Praxis-Feedbacks durch unsere Bauherren, meist in einer „Lessons learned Runde“. Im Falle von „The Impulse“ wissen wir über Feedbacks von Siemens, das das Gebäude genau die gewünschte Funktion erfüllt.
The Impulse“ ist das modernste der Digital Enterprise Experience Centers von Siemens weltweit. Welche Rolle spielte die Digitalisierung für Eure Arbeit?
Eine sehr große. Wir haben das Gebäude von Anfang an in BIM (Building Information Modeling) geplant. Das heißt: Erst digital, dann real gebaut. Dadurch konnten wir selbst kleinste Abweichungen schon vor der Ausführung erkennen und anpassen. Mit einem Unity-3D-Modell ließ sich das Gebäude sogar virtuell betreten – Farben, Mobiliar, Ausstellungen und Veranstaltungen konnten so im Vorfeld kundenseitig getestet werden. Der digitale Zwilling macht nicht nur Planung und Bau effizienter, er sorgt auch für einen nachhaltigen Betrieb. Außerdem bildet er die Basis für ein smartes Besuchermanagement, bei dem Beleuchtung, Belüftung und vieles mehr bedarfsgerecht steuerbar ist.
Du bist seit 2022 Mama. Wie hat sich dein Arbeitsalltag verändert seit deiner Elternzeit?
Ich war knapp zwei Jahre in Elternzeit, und seit 2022 bin ich mit reduzierter Stundenzahl zurück. Das erfordert straffere Prioritäten und ergebnisorientierteres Arbeiten. Vorher habe ich mir beispielweise für Recherche und Inspiration viel mehr Zeit genommen, heute muss ich schneller zum Punkt kommen, um ein ähnliches Wochenergebnis, vergleichen mit dem meiner Kollegen die Vollzeit-Arbeiten, erzielen zu können. Ich habe meine reduzierte Stundenzahl auf fünf Wochentage aufgeteilt, so kann ich gewährleisten, dass ich täglich erreichbar bin und keine Informationen verpasse. Das ist insbesondere für die Kommunikation mit dem Kunden von Vorteil.
Mit welcherAufgabe bist Du nach Deiner Elternzeit wieder eingestiegen?
Mein erster Wiedereinstieg war dann die Umgestaltung unserer Büroetagen bei aib. Das war ein sehr guter Start. Wenn man die Räumlichkeiten und die eigene Mannschaft gut kennt, macht das Arbeiten besonders viel Spaß. Zudem sind Hierarchien bei uns flach und die Arbeit mit dem eigenen Team fühlt sich wie ein Brainstorm mit Freunden an.
Romina, vielen Dank für Deine Zeit
Sehr gerne.



